Ziele erreichen

 

Was motiviert mich, meine Ziele zu erreichen?

Nach einem stürmischen Tag an der See mache ich einen ausgiebigen Spaziergang am Strand entlang. Meine Gedanken gehen zurück in die Vergangenheit. Ich denke an einen lieben Menschen, mit dem ich in Kindertagen so einige Stunden an der See verbracht habe. Besonders nach einem Sturm wurden wir zu Schatzsuchern: Sollte der Sturm vielleicht einen Bernstein an die Küste getragen haben? Und sollten wir diesmal die glücklichen Finder sein? Wir fanden damals so einige funkelnde Kostbarkeiten, aber ein Bernstein war niemals dabei.

Bei diesen Gedanken wird es mir warm ums Herz. Es füllt sich mit Liebe für diesen Menschen, mit dem mich so vieles verbindet. Ach, wenn ich doch heute einen Bernstein fände, den ich diesem Menschen zum Geschenk machen könnte…

Ein Ziel durch Loslassen zu erreichen, ist die Kunst, mit dem Leben zu tanzen.

Ziele motivieren uns dazu, unser Handeln in eine gewünschte Richtung auszurichten. Wenn wir allerdings verbissen daran festhalten, dass die Dinge genauso kommen müssen, wie wir es uns wünschen, bleibt der ersehnte Erfolg nicht selten aus. Und wenn er sich einstellt, können wir die Freude daran nur wenig auskosten, weil wir uns auf dem Weg hierher verausgabt haben und schon nach dem nächsten Ziel streben. Wir werden unfrei, weil wir nicht mehr bereit sind, nach rechts und links zu schauen und wahrzunehmen, was uns das Leben auf unserem Weg zur Zielerreichung bietet. Wir verkennen die Schönheit des Weges, weil wir uns ausschließlich auf unser Ziel fixieren. Wenn wir das Ziel nur schon erreicht hätten – so denken wir –, dann wäre alles anders, es wäre besser. Ist das wirklich so? Ich glaube nicht. Ich meine: Je mehr Offenheit wir dafür mitbringen, dass die Dinge auch anders eintreten können, als wir es uns wünschen, desto freier und zufriedener werden wir sein und desto dankbarer werden wir das empfangen, was uns das Leben tatsächlich gibt. Es ist wie ein Tanz mit dem Leben. Unsere Schritte vereinen sich mit den Schritten des Lebens zu einer ästhetischen Choreografie.

An jenem Tag verspürte ich den starken Wunsch, einen Bernstein für diesen lieben Menschen zu finden. Das war mein Ziel. Zugleich war ich offen für die Antwort des Lebens auf meinen Wunsch. Ich war ebenso frei, keinen dieser kostbaren Steine zu finden. Ich blieb aufmerksam, ohne mich an das Ergebnis zu binden. Und … ich fand tatsächlich den ersten und bisher einzigen Bernstein in meinem Leben und machte ihm dem Schatzsucher aus Kindertagen zum Geschenk.

Alltagsübung

Ich halte in meinem Tun inne und überprüfe mich selbst: Welches für mich wichtige Ziel verfolge ich derzeit? Warum ist es mir so wichtig, dieses Ziel zu erreichen? Und was würde es für mich bedeuten, wenn es mir nicht gelänge, genau dort anzukommen, wo ich hinmöchte? Ich vergegenwärtige mir, dass es mich unfrei macht, wenn ich keine Alternativen sehe, als mein Ziel zu erreichen. Auch halte ich mir vor Augen, dass mein Weg zur Zielerreichung umso schöner ist, wenn ich ihn mit Freude und Leichtigkeit gehe. Mein Leben fängt nicht erst dann an, wenn ich die Ziellinie überschreite, sondern es findet jetzt statt … Ich frage mich: Wie kann ich meinen Weg jetzt so gestalten, dass ich meine Absicht achtsam und fokussiert verfolge, ohne mir Stress aufzuerlegen und mich an das Ergebnis zu binden? Ich bleibe offen für das, was das Leben mir gibt und bin bereit, mit ihm zu tanzen.