Langfristigkeit

Welcher Unterschied besteht zwischen einem „Patienten“ und einem „Kunden“?

Zwei Frauen steigen aus dem kleinen Auto eines Pflegedienstes aus. Die Ältere bereitet die Jüngere auf die bevorstehende Begegnung vor: „Das ist wirklich ein ganz nettes Ehepaar. Es sind wunderbare Leute“, bringt sie sich und Ihren Zögling in eine positive Grundstimmung. „Was ist denn genau zu tun bei diesen Patienten?“, will die Jüngere wissen. Der Ton der Älteren wird eindringlicher, als sie ihn mit einem leicht scharfen Ausdruck an Gewichtigkeit untermalt: „Kunden … Es sind Kunden!“

Ich habe meinen Anteil daran, wie und wer ich sein werde, wenn ich in die Jahre gekommen bin.

Dieser kurze Gesprächsfetzen hat mich nachdenklich gestimmt. Einerseits erkenne ich, dass in der Wortwahl ein Unterschied liegt. Ob von „Patienten“ oder von „Kunden“ gesprochen wird, wirkt sich auf das Bild der Menschen aus – Fremd- und Selbstbild –, die pflegerische Unterstützungen in Anspruch nehmen. Wird von „Kunden“ gesprochen, so transportiert das Wort vielleicht mehr Würde, mehr Selbstbestimmtheit, mehr Achtung. Andererseits habe ich bisher noch niemanden sagen hören, dass er sich darauf gefreut habe, nun endlich einen Pflegedienst in Anspruch nehmen zu können. Ob „Patient“ oder „Kunde“, in diesem Zusammenhang ist es auch ein Zeugnis davon, bestimmte Tätigkeiten des Alltags nicht mehr vollständig aus eigener Kraft ausführen zu können. Infolgedessen werden zumeist fremden Menschen die Türen zu intimen Bereichen des eigenen Lebens geöffnet, damit sie als Helfer entsprechende Unterstützungen leisten können. Ich bin davon überzeugt, dass diese „Helden des Alltags“ ihr Bestes geben und dafür haben sie meinen tiefen Respekt und meine volle Achtung! … Zugleich geht mir der Begriff „Kunde“ durch den Kopf. Mein Bild von einem „Kunden“ zeichnet eine Person, die – vielleicht sogar mit Freude – nach einem passenden Produkt oder einer für sie geeigneten Dienstleistung Ausschau hält. Wie ist es im Falle der „Helden des Alltags“? Werden sie nicht zumeist erst dann um Hilfe gebeten, wenn es nicht mehr anders geht? Werden ihnen nicht häufig eher unfreiwillig die Türen geöffnet?

Alltagsübung

Ich mache mir zunächst bewusst, dass jeder einzelne Moment in meinem Leben, in dem ich mich aus eigener Kraft bewegen und meine alltäglichen Tätigkeiten selbst verrichten kann, ein Geschenk des Lebens an mich ist! Dann schaue ich mir einen Tag lang sehr bewusst an, wie ich mit diesem Geschenk umgehe. Wo wertschätze ich es, indem ich mir für Körper, Geist und Seele Bedingungen schaffe, die mich stärken? Mit welchen Handlungen, Gedanken und Emotionen mache ich es mir hingegen selbst schwer, mich gut zu fühlen? Ich mache mir Notizen zu meinen Erkenntnissen und färbe alles Stärkende grün ein und alles Schwächende rot. Wie sieht das Gesamtbild aus? Und wie wahrscheinlich ist es, dass ich mit diesem Gesamtbild meinen (!) Beitrag dazu leiste, noch lange Freude an den Geschenken des Lebens zu haben und meinen persönlichen Lebensweg würdevoll weiterzugehen. … Und dann frage ich mich, in welchem Maße ich bereit bin, Rotes in Grünes zu verwandeln.