Aktiver Umweltschutz beginnt innen

Warum tun Menschen so etwas?

Es ist ein lauer Abend und ich sitze noch draußen im Freien. Ich genieße das Wechselspiel der abendlichen Farben, die den Himmel und die Umgebung darauf vorbereiten, in das Dunkel der Nacht einzutauchen und sich darin aufzulösen. Auch Mensch und Tier bereiten sich bereits langsam auf die Nachtruhe vor. Stille breitet sich aus und lädt dazu ein, ganz einfach nur „da“ zu sein, den Tag ziehen zu lassen, ohne noch etwas von sich selbst oder von den zurückliegenden Stunden zu verlangen. Dieser Moment behaglicher Ruhe wird durch ein Martinshorn durchkreuzt. Ein Krankenwagen?

„Während dieser Augenblick für mich so friedvoll ist, wird er für andere gerade zu einer Herausforderung“, denke ich bei mir und sende gute Wünsche in den Äther. Es bleibt aber nicht bei den Signaltönen dieses einzelnen Einsatzfahrzeugs. Wieder erklingen die Sirenen eines Wagens, und wieder … und wieder … und wieder. War es wohl doch kein Krankenwagen und hat es womöglich irgendwo gebrannt?

Am nächsten Tag erfahre ich, dass es am Vorabend im nahegelegenen Wald an mehreren Stellen gebrannt hat. Es handle sich um Brandstiftung. Es habe eine ganze Weile gedauert und war mit einigen Komplikationen verbunden, die Feuerherde schließlich unter Kontrolle zu bekommen.

Ich spüre, wie Unverständnis in mir aufsteigt, wie ich in meinem tiefsten Inneren dagegen aufbegehre, dass Menschen mutwillig einen so wichtigen Teil des Lebens auf diesem Planeten zerstören. Zerstören wir Menschen allein durch unsere Lebensweise nicht bereits genug? Auf der einen Seite gibt es Projekte, um neue Bäume anzupflanzen, weil Menschen verstanden haben, dass nicht nur die Qualität sondern auch die Verfügbarkeit von unserer Atemluft von unseren grünen Freunden abhängt. Auf der anderen Seite zerstören Menschen mutwillig etwas, das für Erhalt, Gesundheit, Wohlbefinden und Ausgeglichenheit des ganzen Planeten unerlässlich ist.

Ich habe immer die Wahl, auf wen ich mit meinem Finger zeige.

Als ich diese Gedanken in mir aufsteigen lasse, meldet sich sogleich mein innerer „Ermahner“, der mir unmissverständlich zu verstehen gibt, dass ich meine Gedanken und Gefühle bezüglich der Situation überprüfen muss: „Es ist sehr leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen, die ganz offensichtlich etwas getan haben, was so zerstörerisch ist. Aber richte den Finger nicht nach außen auf sie, sondern schau zuerst bei dir selbst. Fallen dir vielleicht Situationen in deinem eigenen Leben ein, in denen du etwas getan oder unterlassen hast, was dir selbst letztlich geschadet oder zumindest nicht zu deinem höchsten Wohlbefinden beigetragen hat? Solange der einzelne Mensch noch in einer Weise fühlt, denkt und handelt, die – wenn auch nur einen Funken – Selbstzerstörung in sich trägt, wird sich auch weiterhin Zerstörung im Außen zeigen. Also: Lösche die Brände in deinem Inneren, die du selbst entfacht hast und sähe Samen des Wohlbefindens, der Stärkung, der Liebe aus. Pflege sie mit voller Hingabe und es wird etwas Neues heranwachsen, das für Zerstörung jeglicher Art – innen wie außen – letztlich keinen Platz mehr lässt.“

Alltagsübung

Ich nehme mir Zeit, um mir mein Leben anzuschauen. Welche Gewohnheiten habe ich? Stärken oder schwächen sie mich? Wo entdecke ich Stress, der von außen Druck erzeugt oder den ich in meinem Inneren selbst produziert habe? Welche Maßnahmen kann ich ergreifen, um den Stress zu reduzieren und schließlich zu verabschieden? Wie ausgeglichen fühle ich mich? Befördern mein Bewegungs, Entspannungs und Ernährungsverhalten mein Wohlbefinden? Ist mein Umgang mit anderen von Wertschätzung und Liebe getragen oder von Verurteilung und Missgunst? Und dann sind da noch meine Gefühle und Gedanken. Schaffen und stärken sie Wohlbefinden in mir oder schwächen sie mich eher und stiften Unruhe in meinem Inneren?

Wenn ich zu diesen und ähnlichen Fragen meine Gedanken aufsteigen lasse, spüre ich in mich hinein, an welchen „Brandherden“ ich jetzt sofort etwas machen kann, um ihre zerstörerische Wirkung zu reduzieren und sie schließlich ganz auszulöschen. Welche inneren Brände kann ich löschen und dort neuen Boden bereiten, auf dem Stärkendes heranreifen kann? Ich fange erst mit einer Sache an, die mir leichtfällt und nehme dann nach und nach Weiteres hinzu.

Ich bin mir bewusst: Es ist aktiver Umweltschutz, der in meinem Inneren beginnt und sich nach außen auswirken wird, wenn ich beharrlich dranbleibe, um nach und nach alles Zerstörerische aus meinem Leben zu verabschieden!